Februar 2022: Macht mal Halblang!

 

Sagt ihnen der Name Bukowina etwas? Die Bukowina mit der Hauptstadt Cernowitz war eine alte, hochstehende Kulturlandschaft hauptsächlich auf dem Gebiet der heutigen Ukraine, die sich unter den vielen Fremdherrschaften über Jahrhunderte behaupten konnte und war ein Zentrum der jüdischen Siedlung in Europa. Sie brachte viele (vor allem deutschsprachige) Schriftsteller, Künstler  und Wissenschaftler hervor. Bis 1945. Denn auch hier wüteten die Nationalsozialisten und brachten die jüdische Bevölkerung um. Eine davon ist Selma Merbaum, die in ihrem kurzen Leben einige der schönsten Gedichte der Weltliteratur geschrieben hat, die auf einer Stufe stehen mit den Gedichten von Reiner Maria Rilke.  Sie starb mit 18 Jahren 1942 in einem Zwangsarbeitslager . . .

 

Warum ich das erwähne? Nicht nur Russland sondern auch und ganz besonders das Gebiet der Ukraine hat furchtbar im Weltkrieg gelitten. Ist das aber ein Grund, die Ukraine mit Waffen zu beliefern? Laut Umfrage ist die große Mehrheit der Deutschen dagegen und das ist auch die Position der Parteien im Bundestag von den Linken bis zur AfD, von der ich fast vermute, dass Russland für sie Demokratiemodell ist, das als Vorbild für Deutschland dienen könnte! Die Mehrheit der Deutschen glaubt nicht, dass es zu einem Krieg kommt.

 

Die Vergangenheit hat aber leider gezeigt, dass es immer dann brandgefährlich wird, wenn die Diplomatie auf offener Bühne ausgetragen wird statt leise hinter verschlossenen Türen. Wäre ich Gerhard Schröder, würde ich Putin anrufen und ihm raten: „Wladimir, nun mach mal halblang!“

 


Januar 2022: Das kann doch nicht wahr sein!

Da haben sich die Bürgerinnen und Bürger der EU vor Jahren bei einer EU-Online-Abstimmung für die Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt – seitdem wird in Straßburg und Brüssel diskutiert und nichts ist bisher entschieden. Bedarf ja auch gründlichster Überlegungen und Beratungen bei diesem ach so heiklen Thema.

Und jetzt beschließt die EU-Kommission mal so eben, Atomkraft und Gas soll in die grüne Energiebilanz zur Reduzierung der Treibhausgase einfließen. Verkündet wird das in einer Nacht- und Nebelaktion zwischen Silvester und Neujahr. Einspruchsfrist der Regierungen: 12 Tage! Und die Sache tritt in Kraft – es sei denn wenigstens 20 von 27 Ländern der EU oder das EU-Parlament stimmen dagegen.

Sollen hingegen Flüchtlinge in der EU verteilt werden oder man will Ländern den EU-Geldhahn zudrehen, die grundlegende Demokratierechte abschaffen, dann bedarf es eines einstimmigen Beschlusses der 27 Regierungen! Und am Ende werden von 10.000 Flüchtlingen 50 auf Luxemburg verteilt - die restlichen 9.950 auf Deutschland. Und für jedes abgeschaltete AKW bei uns kommen zwei neue in Frankreich oder Polen hinzu.

Wer kann mir überzeugende Argumente liefern, damit ich weiter ein Freund des Europa-Gedankens bleibe?!


Dezember 2021: Warum kommt kein Jubel auf!

          Nein, das war kein gutes Jahr dieses Jahr 2021. Und das sage ich als alter Sozialdemokrat, dessen Partei unerwarteter Weise nun zum vierten Mal in der Geschichte der Bunderepublik den Kanzler stellt. Natürlich habe ich mich gefreut, dass es so gekommen ist aber überschäumende Freude wie 1969 als Willy Brandt Bundeskanzler wurde? Oder auch wie 1998 mit Gerhard Schröder? Nein, wahrlich nicht.

           Das Jahr war stärker noch wie 2020 geprägt von der Pandemie. Nach kurzer Erholungspause im Sommer stiegen die Zahlen wieder stark an. Wir wären besser in den Winter gegangen, wenn sich mehr Menschen Hätten impfen lassen. Und die Sommerpause wurde überlagert durch die Flutwelle im Westen Deutschlands. Zum ersten Mal hat der Klimawandel so richtig auch bei uns angeklopft.

          Fast schon vergessen: Das schmähliche Versagen des Westens in Afghanistan. Ich habe noch die Bilder vom Abzug der Amerikaner in Vietnam vor Augen. Diesmal war es noch schlimmer. Nicht zu vergessen. Die vielen Krisen in der Welt, die latenten Konflikte mit China, mit Russland, die Uneinigkeit in der EU, die Türkei.  Und zu allem Überfluss steht nun Omikron drohend vor der Tür.

           Unsere neue Regierung unter Olaf Scholz ist wahrlich nicht zu beneiden um die Aufgaben und Probleme, die es zu bewältigen gilt. Ich bin überzeugt: Keine Regierung der Bundesrepublik (mit Ausnahme vielleicht der ersten 1949) hat vor so schweren Herausforderungen gestanden wie die jetzige. Ich bin sicher, Olaf Scholz ist sich dieser Tatsache bewusst. Ich wünsche ihm und seinem Team viel Glück bei dem Versuch, diese Herausforderungen zu meistern.

Burkhard Kallmeyer

Ein Wort zur Lokalpolitik kann ich mir nicht verkneifen: Mag der Ortsbürgermeister von Borsum noch so sehr jubeln, dass der neue Mehrgenerationenplatz nun auch noch von einen schönen Muschelkalkpflaster umsäumt wird – das Geld wäre dieses Jahr besser in Lüfter für unsere Grundschulen angelegt!


 Ich drücke die Daumen!

Der Koalitionsvertrag steht. Wenn davon mehr als die Hälfte in den kommenden vier Jahren umgesetzt würde, wäre schon viel erreicht. Die Erfahrung lehrt uns aber: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich nenne mal nur die Krisen, vor denen wir aktuell stehen: Da ist an erster Stelle zu nennen die Pandemie, die völlig außer Kontrolle geraten zu sein scheint. Und wir tappen noch völlig im Dunklen, was die Varianten des Virus anbelangt. Dann die steigenden Preise. Das gilt ja nicht nur für die Häusle-Bauer sondern greift immer stärker in das Leben der Normalverdiener ein. Und um uns herum bleibt die Welt auch nicht stehen: Flüchtlingsströme, Konflikte mit anderen Staaten, der Zusammenhalt in der EU – und über allem wölbt sich der Klimawandel.

         Ich bin gespannt, wie die Dreier-Koalition mit diesen und kommenden Problemen fertig wird. Auf jeden Fall wird es eine Herkules-Aufgabe in diesen Zeiten. Ich beneide keine oder keinen, der nun Verantwortung tragen wird.   

November 2021


Was lernen wir aus der Uhrenumstellung?

Vor einigen Jahren gab es die große Online-Umfrage der EU, ob die Zeitumstellung im Frühjahr und Herbst ad acta gelegt werden soll. Die große Mehrheit war für Steichung. Seitdem streiten  EU und die 27 Mitgliedsländer, welche Zeit nun Standardzeit sein soll: Die Sommerzeit oder die Winterzeit.

Wenn also schon bei dieser Lappalie keine Einigung erzielt werden kann, dann ahnt man, was mit den richtig großen Problemen wie dem Klimawandel passiert. Nämlich nichts oder zumindest zu wenig. Schon 1987 warnte ein deutscher Politiker: "Wer mehr Kohle verbrennen will, ist ein Verbrecher an unseren bioklimatischen Verhältnissen und an der nächsten Generation!"

Wer das sagte? Sie kommen nicht drauf - Franz-Josef Strauß!

Oktober 2021


Der Wahlkampf ist vorbei!

 Wahlkampf 2021 in der Gemeinde Harsum: Die SPD verteilte Flyer an alle Haushalte mit den Bildern der Kandidaten und dem Wahlprogramm für die nächsten Jahre. Ob sich viele die Mühe gemacht haben, dies auch durchzulesen?! Wir haben uns jedenfalls viel Mühe gegeben und viel Gehirnschmalz geopfert, um ein zukunftsträchtiges Programm zu verabschieden.

Daneben haben wir regelmäßig unseren Infostand in Harsum und Borsum aufgestellt. Marc Ehrig und die jeweiligen örtlichen Kandidaten und auch Marcel Litfin haben rekordverdächtige 3.000 Hausbesuche gemacht. Im Netz waren wir mit unserer Homepage vertreten und auch bei Twitter.

Die CDU hat wohl auch Flyer verteilt. Bei mir sind leider keine angekommen. Wahrscheinlich dachte man, der wählt uns sowieso nicht. Ansonsten tummelte man sich bei Facebook herum und einige Kandidaten machten für sich selbst Reklame. Das Video von Domenik Schmid war echt Klasse! Infostände waren nicht zu sehen. Wie man hörte, mangelte es an Helfern für den Aufbau.

Die Grünen, also mehr oder weniger die Familie Lipecki aus Borsum ließen es ruhig angehen und ließen den Wahlkampf an sich vorüberziehen. Auf der Grünen-Homepage finden sich die gewählten Ratsherren von 2011!

Das Bündnis für Borsum verteilte Flyer, schrieb gefühlt 50 Artikel für HAZ und Halokaz und marschierte am Samstag vor der Wahl mit Blasmusik und ihrem Ortsbürgermeister an der Spitze durch Borsum und weihte zum zweiten oder dritten Mal alles ein, was einzuweihen war. Offiziell natürlich als Ortsratsaktion deklariert aber das ist ja im Grunde deckungsgleich. Bürgermeister, Rat und überregionale Geldgeber waren nicht informiert oder gar eingeladen  – es hätte ja ein wenig Glanz auch auf andere fallen können! Eins ist aus meiner Sicht klar: Solange Josef Stuke erfolgreich 24/7 für Borsum arbeitet, hat keine andere Partei eine Chance, in Borsum etwas zu bestellen. Das muss man neidlos anerkennen.

Das Ergebnis aller Bemühungen: Alles blieb wie es war! CDU 12 Ratssitze, SPD 9, Bündnis 5 und die Grünen 2. Trotzdem ist es zu größeren Veränderungen gekommen. Bei uns in der SPD sind vier neue Ratsmitglieder dazugekommen (davon zwei jüngere) und in der Ratsfraktion der CDU sitzen allein sieben Neulinge, davon viele junge Leute. Da kann ich nur sagen: Respekt, liebe CDU. Für mich die größte Überraschung: Einer ihrer bekanntesten Ratsherrn, der Ortsbürgermeister von Harsum, hat den Wiedereinzug in den Rat verpasst.

Größter Stimmenfänger war unser Marc Ehrig. Er hat die meisten Stimmen aller Ratsmitglieder und auch aller Kreistagskandidaten im Bereich Harsum. Gratulation!

Nicht wieder angetreten sind Ellen Krone und Heinrich Ballauf (CDU) sowie von der SPD Helga Aue und Leonie Voges. Alle vier haben immer das große Ganze gesehen und waren Schwergewichte im Rat. Na ja, ich selbst habe mich ja auch zurückgezogen und für meine Tochter Platz gemacht, wenn man so will. Iris Grondke ist nun in vierter Generation in unserer Familie als Sozialdemokratin aktiv.

17.9.2021